In Brensbach schafft der Verein „Hand & Fuß Gersprenztal e.V.“ Verbindung: Mithilfe von Nachbarschaftshilfe werden Einsamkeit überwunden und Unterstützungen ermöglicht.
Wer holt die Post aus dem Kasten und gießt die Blumen, wenn ich mal für ein paar Tage in Urlaub bin? Wer hilft mir beim Gardinen-Aufhängen? Wer erklärt mir, wie WhatsApp funktioniert? Wer hilft beim Kuchen backen, Brötchen schmieren und Tisch decken, wenn ich einen größeren Geburtstag feiern will? Wer fährt mich zum Arzt, wartet, bis ich dort fertig bin und bringt mich dann auch wieder zurück? All diese Hilfeleistungen – und noch Dutzende anderer – können unter dem Begriff „Nachbarschaftshilfe“ zusammengefasst werden. Wohl dem, der nette Nachbarn hat!
Das hat jedoch nicht jeder. Auch im ländlichen Bereich gibt es Einwohner, die lieber für sich bleiben wollen. Oder man ist neu hinzugezogen und nicht der Typ, der leicht Bekanntschaften schließt. Viele ältere Mitbürger trauen sich auch nicht, andere um Hilfe zu bitten und riskieren stattdessen, zu vereinsamen.
Damit Menschen miteinander in Kontakt kommen und sich gegenseitig helfen, wurde in Brensbach im Oktober 2001 ein Verein gegründet, der heute unter dem Namen „Hand & Fuß Gersprenztal“ firmiert, eine Tauschbörse für nachbarschaftliche Hilfeleistungen. Dabei gingen die Gründer – und auch die heute Verantwortlichen – davon aus, dass fast jeder etwas kann, was andere brauchen. Wer jung und kräftig ist, mag vielleicht bei jemand anderem Rasen mähen helfen, oder auch nur regelmäßig die Mülleimer rausstellen. Hilfe braucht manch einer auch beim Fahrrad reparieren, beim Babysitten oder beim Einkaufen.
Wer keine Angst vor Mathe oder Fremdsprachen hat, kann mit Schulkindern vor einer Klassenarbeit noch mal üben. Viele ältere Mitbürger können nicht mehr selbst Auto fahren, und sind bei Fahrten zu Ärzten, ins Krankenhaus oder zu Behörden auf Hilfe angewiesen. In jedem Haushalt oder Garten können schnell Situationen entstehen, wo eine helfende Hand notwendig wird.
Der Verein „Hand und Fuß“ will helfen, Hilfesuchende und Hilfe-Anbieter zusammenzubringen, wobei sich jeder Einzelne aus beiden Positionen heraus (möglichst rechtzeitig!) melden kann. Wer jemandem geholfen hat, bekommt dafür – pro halbe Stunde an geleistetem Aufwand – einen Plus-Punkt gutgeschrieben. Den er oder sie später auch an einer ganz anderen Stelle wieder einlösen kann. Immer zum Jahresende werden sämtliche Punkte-Stände zurück auf null gesetzt.
Geld fließt bei diesen ehrenamtlich erbrachten Transaktionen nicht, es sei denn, der Helfer hatte dadurch Kosten. Um die Zutaten für einen gewünschten Kuchen einzukaufen etwa, oder um die Spritkosten zu decken, wenn jemand gefahren werden musste. Jeder im Namen von „Hand und Fuß“ getätigte Einsatz ist versicherungstechnisch abgedeckt. Wichtig hierbei ist: Der Hilfsdienst versteht sich nicht als selbstverständliches Dauer-Angebot, sondern ist für einen Einsatz im Notfall oder für einen begrenzten Zeitraum gedacht. Die Angebote sollen also keineswegs den Einsatz eines Taxis oder eines Gärtners ersetzen.
Das obere Gersprenztal zusammenbringen
Der Verein hat derzeit 92 Mitglieder; die meisten davon aus Brensbach und seinen Ortsteilen, aber auch aus Reichelsheim und Fränkisch-Crumbach. Da der Verein nicht nur praktisch helfen, sondern auch die Kommunikation zwischen den Mitgliedern aus dem oberen Gersprenztal fördern will, lädt er etwa alle zwei Monate zu einem zwanglosen Kaffee-Nachmittag mit selbst gebackenem Kuchen im barrierefrei erreichbaren evangelischen Gemeindehaus in Wersau ein. Auch Ausflugsfahrten werden gelegentlich organisiert. Die genauen Termine werden in den amtlichen Nachrichtenblättern der drei Gemeinden veröffentlicht und ein Fahrdienst wird eingerichtet.
Der Verein erhebt einen moderaten Mitgliedsbeitrag: 15 Euro pro Jahr für Einzel-Erwachsene; weitere Familienangehörige oder einzelne Jugendliche sind mit 7,50 Euro dabei. Da nur wenige Kosten entstehen, werden die Rest-Guthaben alljährlich an eine gemeinnützige Aktion weitergegeben. So wurde beispielsweise bereits der Gnadenhof von Erzbach unterstützt, oder auch Insektenhotels für Brensbacher Kindergärten angeschafft. In diesem Jahr profitiert das Wersauer Gemeindehaus davon. Denn als „Danke-Schön“ für die hier erfahrene Gastfreundschaft hat der Verein eine neue Bank, einen echten „Lieblingsplatz“ angeschafft, die seit dem Erntedankfest im Gartenbereich des Hauses steht.
Kirsten Sundermann, Odenwälder Echo, 8. Oktober 2025